Mischa Kopmann Orden de los libros (cronológico)




An einem stillen Sonntagmorgen im September kehren Lukas »Luke« Morgen und seine große Liebe Alba Jordan in ihr Heimatdorf zurück, das sie einst Hals über Kopf verlassen mussten. Mit dem Geld aus dem Verkauf des Morgen’schen Anwesens wollen sie ein neues Leben beginnen. Niemand im Dorf weiß von ihrem kurzen Aufenthalt im bereits leergeräumten Haus. Manhorn, ein kleines Dorf im Osten der Lüneburger Heide, besteht aus fünf Familien, die durch jahrzehntelange Abneigung verbunden sind. Dieser nahezu mythische Ort hält deutsche Vergangenheit und Sensibilitäten unter dem Deckel, wo Geografie, Geschichte und Geschichten miteinander verschmelzen. Mit dem Eintreffen des undurchsichtigen Großindustriellen Waldeck beginnt der Untergang dieser Welt. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft, und der Wandel hält auf unterschwellige Weise Einzug. Die Geschichte entfaltet sich durch Handlung, Rückblenden und die anrührenden Erzählungen des im Sterben liegenden Verwalters Homann. In klarer, poetischer Sprache entwickelt sich ein unaufhaltsamer Sog, während Luke und Alba durch ihre Woche in Manhorn navigieren, die zunehmend explosive Züge annimmt. Der Roman bündelt Befindlichkeiten und hilft, im Kleinen das Große zu verstehen. Manhorn könnte, trotz seines Lokalkolorits, überall sein.
Leon Spihr hat ein Problem mit der Wirklichkeit. Seit seiner Geburt an einem schönen Augustmorgen im pophistorisch verhängnisvollen Jahr 1969 geht eigentlich alles in die Brüche. Sogar die Musik, stärkste und tröstlichste Kraft in seinem Leben, hat ihre Magie verloren. Spihr hat sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen: Frau und Kinder, Beruf, sogar seine Band. Schließlich heuert er für einen Sommer als Lebensmittellieferant in Blankenese an, dem Beverly Hills der Hamburger Westside. Als Spihr dort seiner großen Hassliebe »Krimhild« wieder begegnet, beginnt er einen verhängnisvollen Racheplan zu schmieden, von dem ihn nicht einmal Vivi abbringen kann, die zauberhafte Lebenskünstlerin mit dem Schnurrbart aus Puderzucker und dem Herzen aus Gold. Doch vielleicht bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig in dem Nobelvorort am Elbufer, der perfekten Blaupause einer elitären Republik, die das Rentenalter längst überschritten hat und sich mühsam Richtung Ziellinie schleppt. Und dieser Zusammenbruch spiegelt sich für Spihr auch im Niedergang der Popmusik wider, von Elvis‘ Heartbreak Hotel bis Bowies Blackstar. Aquariumtrinker ist eine zwischen Poesie und Wut, Wahn und Wirklichkeit changierende Rache- und Entwicklungsgeschichte, die in soghaftem Tempo auf ein furioses Finale zusteuert.