Drei Arten, Papierdrachen zu falten
Deutsche Erstausgabe. Ausgewählt und aus dem Chinesischen übertragen von Julia Veihelmann.
- 340 páginas
- 12 horas de lectura
Ma Yuans Erzählungen entführen in die tibetische Hauptstadt Lhasa und den Transhimalaya. Eine Expedition sucht nach einem angeblichen Schneemenschen und einem riesigen Schafsschädel. In einem maoistischen Lager in Nordchina löst ein Streit um eine verschwundene Armeemütze eine dramatische Kettenreaktion aus, während die Figur »Ma Yuan« nicht vor der Recherche in einem Lepradorf zurückschreckt. Die Literatur ist geprägt von autofiktionalen Elementen, Fiktionsbrüchen und Verfremdungseffekten, die ein postmodernes Verwirrspiel um Wahrheit und Lüge schaffen. Das zentrale Thema ist oft das Erzählen selbst, das bei Ma Yuan gebrochen und „beschädigt“ ist. Auf verschlungenen Pfaden gelingt es ihm, Verbindungen jenseits der Kausalität herzustellen, etwa durch Traumlogik oder Assoziation. Immer wieder wird deutlich, dass jede Narration auch Lüge und Täuschung ist. Das exotische Bild Tibets, das junge chinesische Abenteurer anzieht, wird ebenso hinterfragt wie der Versuch, das Leben der Einheimischen literarisch zu verwerten. Ma Yuans Erzählungen bestechen durch präzise Milieubeschreibungen und viel Lokalkolorit. Sie werfen ein neues Licht auf das Künstlermilieu der achtziger Jahre und den Alltag des kulturell und ethnisch vielfältigen Lhasa. Das postrevolutionäre China und das besetzte Tibet erscheinen in einem neuen Licht, während verbreitete Klischees unterlaufen werden.

