Eine kleine Geschichte der ost-westlichen Nachbarschaften. Der deutsche Historiker Karl Schlögel und der polnische Journalist Adam Krzeminski sind Experten für das Verhältnis zwischen europäischem Osten und europäischem Westen. Karl Schlögel schaut in seinen Büchern von Westen nach Osten, Adam Krzeminski aus dem östlichen Polen auf das westliche Europa. Beide Blicke konvergieren und ergeben ein von kritischer Sympathie gezeichnetes Bild nachbarschaftlicher Verbundenheit. Gemeinsam wurde ihnen von den Städten Göttingen und Torun der Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreis verliehen. Der Laudator Rudolf von Thadden würdigt die Verständigungsarbeit der beiden Preisträger.
Verschiedene Erinnerungen - eine Geschichte: die wechselvolle Geschichte von Trieglaff in Pommern, die gleichzeitig eine politische Familiengeschichte ist. Am Anfang stand die Besetzung des Gutsdorfs Trieglaff durch Truppen der Armee Napoleons 1807, am Ende der Einmarsch der Roten Armee 1945. Dazwischen lebten fünf Generationen Gutsbesitzer, Landarbeiter und Bauern in einer ländlichen Lebenswelt Pommerns, die der ständisch geprägten Gesellschaft entwuchsen und zwischen modernisierten Wirtschaftsstrukturen und traditionellen Lebensformen nach neuer Orientierung suchten. Im Zentrum der Generationengeschichte steht die Familie von Thadden. Sie reicht von dem führenden Kopf der pietistischen Erweckungsbewegung in Pommern, Adolph Ferdinand von Thadden, bis zum Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Reinold von Thadden-Trieglaff, und berührt sowohl die kirchliche als auch die politische Geschichte Deutschlands. Im 19. Jahrhundert hatte sie Bedeutung für den Reichsgründer Otto von Bismarck, im 20. für den Widerstand gegen Hitlers Regime. Zu dieser Welt gehörten aber ebenfalls die Gutsarbeiter, die ihre eigenen Erfahrungen im Auflösungsprozess der ständischen Gesellschaft machten. Thadden untersucht dazu auch Briefe, die aus Trieglaff an die ausgewanderten Verwandten nach Amerika gingen.
Religion und Ethik in Staat, Schule und Gesellschaft
231 páginas
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Die Religionen haben es in der heutigen Welt schwer, aber die Welt hat es mit den Religionen auch nicht leicht. Einerseits schreitet der Säkularisierungsprozeß voran, andererseits nimmt religiöser Fundamentalismus zu. Vor diesem Hintergrund wird allenthalben über Religion und Ethik in Staat, Schule und Gesellschaft diskutiert. Obwohl das Thema alle Länder und Kulturen berührt, erörtert es doch jeder für sich. Eine europäische, geschweige denn globale Diskussion gibt es kaum. In dem vorliegenden Band geht es darum, Modelle aus dem laizistisch orientierten Frankreich und dem konfessionell geprägten Deutschland vergleichend zu betrachten und dabei nach gemeinsamen europäischen Perspektiven zu fragen. Die vor allem in Westdeutschland abgelehnte Praxis des LER-Unterrichts (Lebenshilfe - Ethik - Religion) in Brandenburg sieht neben dem französischen Modell der laizistischen Schule ohne Religionsunterricht anders aus als im Vergleich mit dem bayerischen einer streng konfessionell geprägten Schule mit Kruzifixen im Klassenraum. Potsdam scheint näher bei Paris zu liegen als bei München. Mit Beiträgen u. a. von Marianne Birthler (ehemalige Kultusministerin von Brandenburg), Jean-Paul Delattre (Erziehungsminister, Paris), Wolfgang Huber (Landesbischof von Berlin-Brandenburg), Henri Madelin (Chefredakteur der jesuitischen Zeitschrift »Études«), Ernst Gottfried Mahrenholz (Bundesverfassungsrichter a. D.), Richard Schröder (Humboldt-Universität, Berlin), Faruk Sen (Zentrum für Türkeistudien, Essen), Link: Stiftung Genshagen