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Manfred Schulze

    Sternstunden und Abgründe der Christenheit
    55 Texte
    Zwei Reformationen
    Biogemüse selber ziehen
    • Zwei Reformationen

      Luther und Calvin. Alte und Neue Welt - Durchges. u. mit e. Nachw. v. Manfred Schulze

      • 316 páginas
      • 12 horas de lectura

      Die Stilisierung Martin Luthers als ersten Protestanten und deutschen Propheten gehört zu den Gründungsmythen des deutschen Protestantismus. Sein Protest gegen die 'babylonische Gefangenschaft der Kirche' wird oft als Befreiung von der päpstlichen Tyrannei und als Ausbruch aus dem finsteren Mittelalter interpretiert. Obermans Essays widerlegen diese Sichtweise und argumentieren, dass Luther nicht als einsame, revolutionäre Figur agierte, sondern im Kontext einer lebendigen spätmittelalterlichen christlichen Gesellschaft, die bereits viele reformerische Strömungen hervorgebracht hatte. Er zeigt, dass Luther trotz seiner theologischen Neuansätze und seiner Distanz zur mönchischen Lebensweise stark im spätmittelalterlichen Weltbild verankert war, einschließlich antisemitischer und apokalyptischer Elemente. Oberman unterscheidet zwischen der 'ersten Reformation', die von Wittenberg ausging und die deutschen Territorialstaaten prägte, und der 'zweiten Reformation', die von humanistisch inspirierten Protestanten in freien Städten initiiert wurde. Diese zweite Reformation, besonders in der Denkweise Calvins, bietet eine Vision eines kulturell und sozial erneuerten Europas, die Oberman als den eigentlichen Beitrag des Protestantismus zur Moderne betrachtet.

      Zwei Reformationen