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Frauenseelen

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Nein, so konnte es nicht weitergehen. Sie ertrug ihr Leben nicht länger und wollte es auch nicht. Fort, egal wohin! Nur ein paar Tage andere Luft atmen, fremde Möbel und unbekannte Menschen um sich haben, die sie nicht bemitleideten. Andere Wege gehen, deren Ziel ungewiss war. Nachts auf einem Kissen schlafen, das nicht von vielen Tränen durchtränkt war. O Gott, dem ewigen Schmerz entfliehen! Sie hatte ihn lange genug gehütet, müde und hilflos, wie eine Mutter ein krankes Kind. Aber sie musste allein gehen. Das war entscheidend. Ernstchen würde sie immer an seinen Vater erinnern, dessen Ähnlichkeit den täglichen Schmerz verstärkte, den der kleine Junge nicht ahnte. Sie konnte nicht aufhören, die feinen Züge, die sie an Friedrich geliebt hatte, im Jungen wiederzuerkennen. Sein nervös-sensibles Temperament, das in Freude und Leid über Grenzen ging, seine kalte Grübelei, die ungeduldige Abneigung gegen Unvollkommenheit und die Sehnsucht nach stetiger Heiterkeit – all das trug sie selbst in sich. Sie war ihrem Mann zu ähnlich, was ihre Verbindung erschwerte. Die Schwierigkeiten, die er in sich trug, fand er bei ihr wieder. Es musste ihn bis zum Wahnsinn reizen, dass er sie einmal nicht mehr liebte oder vielleicht niemals geliebt hatte.

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Frauenseelen, Gabriele Reuter

Idioma
Publicado en
Encuadernación
(Tapa dura),
Estado del libro
Dañado
Precio
12,99 €

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Título
Frauenseelen
Idioma
Alemán
Formato
Tapa dura
Serie
Categorías
Descripción
Nein, so konnte es nicht weitergehen. Sie ertrug ihr Leben nicht länger und wollte es auch nicht. Fort, egal wohin! Nur ein paar Tage andere Luft atmen, fremde Möbel und unbekannte Menschen um sich haben, die sie nicht bemitleideten. Andere Wege gehen, deren Ziel ungewiss war. Nachts auf einem Kissen schlafen, das nicht von vielen Tränen durchtränkt war. O Gott, dem ewigen Schmerz entfliehen! Sie hatte ihn lange genug gehütet, müde und hilflos, wie eine Mutter ein krankes Kind. Aber sie musste allein gehen. Das war entscheidend. Ernstchen würde sie immer an seinen Vater erinnern, dessen Ähnlichkeit den täglichen Schmerz verstärkte, den der kleine Junge nicht ahnte. Sie konnte nicht aufhören, die feinen Züge, die sie an Friedrich geliebt hatte, im Jungen wiederzuerkennen. Sein nervös-sensibles Temperament, das in Freude und Leid über Grenzen ging, seine kalte Grübelei, die ungeduldige Abneigung gegen Unvollkommenheit und die Sehnsucht nach stetiger Heiterkeit – all das trug sie selbst in sich. Sie war ihrem Mann zu ähnlich, was ihre Verbindung erschwerte. Die Schwierigkeiten, die er in sich trug, fand er bei ihr wieder. Es musste ihn bis zum Wahnsinn reizen, dass er sie einmal nicht mehr liebte oder vielleicht niemals geliebt hatte.