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Physiognomik und Ausdruckstheorie der Renaissance

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Die Lehre der Physiognomik, inspiriert von Aristoteles, betrachtet das äußere Erscheinungsbild des Menschen als Spiegel seines inneren Wesens. Charaktereigenschaften sind demnach durch Gestaltmerkmale verifizierbar. Diese Charakterdiagnostik, die in Typisierungen mündet, wird im Zeitalter der Renaissance besonders populär und dient Künstlern wie Mantegna, Leonardo und Dürer als Lern- und Konfliktstoff für die Darstellung des Menschen. Zunächst wird die Wissenschaftsgeschichte der Physiognomik sowie ihre literarische Verbreitung beleuchtet. Besonders die in der Renaissance entstehenden illustrierten Physiognomiken werden eingehend untersucht. Die anfänglich trockene Tabellengelehrsamkeit wird durch bildliche Darstellungen aufgelockert, die als entscheidendes Sprachrohr physiognomischen Ausdrucks fungieren. Ein Blick auf die Kunsttheorie der Renaissance, von Alberti bis Francesco Bocchi, verdeutlicht das theoretische Interesse an der Physiognomik und deren Funktion im kunsttheoretischen Diskurs. Anhand von Beispielen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert werden die Möglichkeiten und Spielarten der physiognomischen Semantisierung aufgezeigt. Obwohl die einst populäre Lehre heute als banal erscheinen mag, stellt sie für Künstler und Theoretiker eine Verbindung zwischen individueller Wahrnehmung und traditionellem anthropologischem Wissen dar.

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Physiognomik und Ausdruckstheorie der Renaissance, Ulrich Reißer

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1997
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