„An einem Freitag wurde das Licht gekürzt, und es kam nicht wieder, die Schwalben waren verschwunden und gegen die Liebe, die Lästige, musste noch ein Medikament gefunden werden.“ Von der Liebe in den Zeiten von Corona und dass sie eigentlich auch nur eine Seuche ist, davon weiß Nikola Anne Mehlhorn in ihrer „pandemischen“ Prosa zu berichten
Nikola Anne Mehlhorn Orden de los libros




- 2021
- 2019
Der Mann ein Schlachter aus Tradition. Seine Frau eine Vegetarierin, der übel wird, wenn sie am Tresen »Kadaver« verkauft. Was hält die Liebe aus? Nikola Anne Mehlhorn hat diese gegensätzlichen Lebensweisen in klassisch-neuzeitlichem Mix zu einer literarisch-ironischen Moritat auf den Fleischkonsum und die Liebe verdichtet. Jan Kolb erbte die Schlachterei seiner Familie in Schleswig-Holstein. Seine vegetarische Ehefrau Lioba möchte daraus einen Bioladen machen. Doch die engen Finanzen behindern diese Planung. Nach fünf zähen Jahren verfestigt sich in Metzgermeister Kolb die Tradition, während Lioba hinterm Tresen mit wachsendem Ekel das Fleisch toter Tiere verkauft. Als Tierschützer Klaas den Laden betritt und Aktivisten der »pets«-Organisation die Schlachterei angreifen, kommt es zum amourösen Drama.
- 2013
In "Windschrift Nord" erscheinen erstmals die drei Erzählungen "Brachmond" (1998), "Sternwerdungssage" (2002) und "Salzflut" (2010) gesammelt und in einer zum Teil bearbeiteten Fassung. Bereits als Trilogie angelegt, erhielt die Autorin für die ersten beiden Texte (erschienen im Rospo Verlag und in der Frankfurter Verlagsanstalt) zahlreiche Auszeichnungen, wie etwa den Hebbel-Preis, den Hamburger Literaturförderpreis oder die Stipendien der Arno-Schmidt-Stiftung, des Ledig House/ New York und des Berliner Senats.Sie ist Teilnehmerin bei den Lesungen um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013.Die drei Erzählungen haben nicht nur die Verortung in Norddeutschland gemeinsam, sondern vor allem das Wechselspiel zwischen individueller Freiheitssuche und gesellschaftlicher Normativität. Mit ihrem poetischen Stil webt Mehlhorn anhand der Zwänge gerade ländlicher Strukturen trotz Sprachknappheit ein mächtiges Werk. Es wächst von Geburt über Erwachsenwerden bis hin zum Tod durch mythische, abergläubige und zum Teil religiöse Motive, deren Gegenwärtigkeit nur metatextuell hinterfragt werden soll: Zweiköpfige Zwillinge, Hundsmenschen oder mehrschweifige Kater sind hier gegenwärtig und ziehen den Leser in einen einzigartigen Bann.Weithin findet sich keine Literatur, die das Unglück des Daseins auf so knappen Raum mit solch wütender Radikalität auf das Drama des Einzelnen bezieht.(Neue Zürcher Zeitung)Ihre Bücher wären kaum so eindrucksvoll, fehlte ihnen Mehlhorns Wortkunst. Zum gescheiten Sinnspruch tendierend, besitzen ihre knappen Sätze eine Assoziationsdichte, wie man ihr sonst nur in der Lyrik begegnet. (Süddeutsche Zeitung)...die unbändige sprachliche Virtuosität der Autorin und ihr herrlicher Sinn für Komik machen diese Geschichten zu einem grandiosen Lesevergnügen. Es erstaunt nicht, das Nikola Anne Mehlhorn Musikerin ist: Sie beherrscht es auch auf dem Papier meisterhaft, das Brausen des Windes, das Klatschen der Wellen, ja überhaupt den Gesang des Universums hörbar zu machen. (Ingrid Kainzner, bibliotheksnachrichten)
- 2002
Sternwerdungssage
- 79 páginas
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Sie ist jung, Astronomin. Sie lebt in ihrem »großen Gutshaus auf der Griesenwarft, das am Ende seiner Kastanienallee mit dunklen Efeumauern über Watt und Wiesen sah«, zusammen mit Ole, dem Sanitäter, von dem sie ein Kind erwartet und den sie demnächst heiraten will. Sie ist auf der Suche nach Gottesbeweisen. Auf dem Hof hat sie ein »Deuskop« aufgebaut, ein teleskopartiges Gerät, mit dessen Hilfe Gott sichtbar gemacht werden soll. Sie hat Erfolg, die Zeitungen schreiben darüber. Das Dorf wird zur Attraktion für Schaulustige. Doch Gott zeigt sich nicht – und das Glück beginnt sich gegen ihr Haus zu wenden. Ein Geheimnis umgibt die Prosawelt von Nikola Anne Mehlhorn. Wie in ihrem Debüt, der hochgelobten Erzählung »Brachmond«, hat Nikola Anne Mehlhorn hier eine märchenhaft-surreale Welt erschaffen. Die »Sternwerdungssage« ist gebaut wie ein Musikstück, mit unverwechselbarer Aura: verfremdet und rätselhaft, kunstvoll und erschreckend zugleich. Die sprachlich beeindruckende Ballade vom unglücklichen Mädchen und einem unabwendbaren Schicksal entpuppt sich als skurril-brutale Moritat der fehlgeschlagenen Assimilation von Juden in Deutschland.