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Seung u I

    Die Rückseite des Lebens
    Vermutungen über das Labyrinth
    • Südkorea hat in den vergangenen vierzig Jahren eine außerordentlich schnelle Modernisierung erlebt. Nach dem Korea-Krieg (1950-1953) eines der ärmsten Länder der Welt, mit einer fast ausschließlich bäuerlichen Bevölkerung, vollzog sich von etwa 1960 an ein rascher Aufstieg. Lee Sung-U, obgleich erst Mitte 40, hat also einen Wandel erlebt, für den Europa ein Jahrhundert brauchte. Diese Entwicklung brachte nicht allein steigenden Wohlstand für immer größere Teile der Bevölkerung, rapide Verstädterung und damit zuletzt ein Mehr an individuellen Freiheiten. Erkauft wurde der Fortschritt über Jahrzehnte hinweg mit katastrophalen Arbeitsbedingungen und einer Militärdiktatur, die von dem Putsch des Generals Park Chung-Hee 1961 bis in die neunziger Jahre hinein jede Opposition gewaltsam unterdrückte, erkauft wird der Fortschritt auch mit zunehmender Vereinzelung, die in Lee Sung-Us Erzählungen mehrfach ihre Widerspiegelung findet. Obwohl sich Lee Sung-U vor allem der Gegenwart zuwendet, spielen politische Konflikte in seinem Werk nur eine geringe Rolle. Vielmehr reflektiert er seine Distanz von der Politik in zwei Schriftstellerfiguren, die sicher nicht mit ihm gleichgesetzt werden können, deren Haltung jedoch deutliche Parallelen zu der seinen aufweisen.

      Vermutungen über das Labyrinth2005
      3,0
    • Die Rückseite des Lebens

      • 212 páginas
      • 8 horas de lectura

      Eines Tages trifft Édith einen Mann, er ist Feuerwehrmann, ebenfalls isoliert. Sie beginnen eine Art Flirt. Sie treffen sich draußen, heimlich, an verschiedenen Orten, sie unterhalten sich. Nicht viel wirklich Intimes. Auf die Frage, was er für sie bedeutete, antwortet der Mann mit starkem tolosanischem Akzent: "Ich war ihre Sauerstoffblase." - Diese Ausdrucksweise ist ihre oder hat sie es anders ausgedrückt? - Nun... es stimmt, ich war ihre Sauerstoffblase. - Und worüber habt ihr gesprochen? - Über alles und nichts. - Aber noch? - Ähm... Wir sprachen über alles und nichts. - Über alles und nichts. - Ja, genau... Über alles und nichts." In den Gerichten sagen die Leute oft, dass sie über "alles und nichts" gesprochen haben. Sie treffen sich an Orten, die nirgendwo sind, sie sagen sich Dinge, deren Substanz sofort verwelkt. Keine Vorwürfe, kein Kummer. Es ist die Rückseite des Lebens.

      Die Rückseite des Lebens1996