Ganze Männer?
Gesellschaft, Geschlecht und Allgemeine Wehrpflicht in Österreich-Ungarn (1868–1914)






Gesellschaft, Geschlecht und Allgemeine Wehrpflicht in Österreich-Ungarn (1868–1914)
Fallstudien zum Erbe des Ersten Weltkriegs in Zentraleuropa (1918–1939)
Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs zeigt sich erst dann umfassend, wenn die engen Verschränkungen zwischen "Front" und "Heimatfront" als Voraussetzung moderner Kriegsführung berücksichtigt werden. Auf der Basis einer großen Bandbreite von Selbstzeugnissen macht das Buch die Militarisierung der gesamten Gesellschaft - von Männern wie von Frauen und Kindern - sowie verschiedene Kriegsalltage und Gewalterfahrungen sichtbar. Es handelt von k. u. k. Mannschaftssoldaten und Offizieren ebenso wie von Armeeschwestern und Rotkreuzhelferinnen, den "Liebesgaben“ für die Soldaten herstellenden Schulmädchen und in der "Kriegsfürsorge“ engagierten Frauen. Insgesamt bietet der Band neben einer kritischen Forschungsbilanz eine facettenreiche Frauen- und Geschlechtergeschichte des Ersten Weltkriegs in Österreich-Ungarn
Erinnerungen an die Rekrutenzeit im k. (u.) k. Heer 1868 bis 1914
Schriftliche Aufzeichnungen von Mannschaftssoldaten der österreichisch-ungarischen Armee sind nur selten überliefert. Die in diesem Band erstmals veröffentlichten autobiografischen Texte schildern das Militär als eine »totale Institution«: Beschrieben werden vor allem der übermäßige Drill, Willkür, Schikanen und Soldatenmisshandlungen, endloses Exerzieren und militärische Lotterwirtschaft im k.(u.)k. Heer. Die gemeinen Soldaten erlebten den Rekrutendienst als eine Zeit der Erniedrigung und des Männlichkeitsverlusts. Mit all dem wird in diesen Texten abgerechnet, ungeachtet eines späteren militärischen Aufstiegs ihrer Autoren. Mehr oder weniger übereinstimmend zeichnen sie ein äußerst negatives Bild der Rekrutenzeit von 1868 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, für den die Allgemeine Wehrpflicht gefügige Soldaten - des Kaisers Knechte - fabriziert hat.
Die Tagebücher der Therese Lindenberg 1938 bis 1946
Im Fruhjahr 1975 bearbeitet Therese Lindenberg (1892-1980) ihre wahrend des Holocaust in Wien verfassten Tagebucher. So entsteht zusatzlich eine gekurzte und neu kompilierte Tagebuchfassung, der sie den Titel Die apokalyptischen Jahre. 1938-1946 gibt. Darin wird auch entschlusselt, was in den originalen Tagebuchaufzeichnungen einst nur angedeutet blieb. Denn die als arisch geltende Therese Lindenberg war mit einem judischen Mann verheiratet, lebte gemass den nationalsozialistischen Rassegesetzen in einer nicht privilegierten Mischehe. Dies bedeutete fur beide Entrechtung und Enteignung, Terror und Angst vor der Deportation des Mannes. Wahrend die einzige Tochter nach Manila gefluchtet war, uberlebte das Paar letztlich im Mischehenghetto im 2. Wiener Gemeindebezirk - unter prekaren Bedingungen. Die von tiefer Religiositat und Naturverbundenheit gepragten Tagebucher jener Zeit werden in dieser Edition ebenso veroffentlicht wie deren im Alter erstellte, starker dokumentierende Bearbeitung. Fur die Leserinnen und Leser entsteht das einzigartige und beruhrende Zeugnis einer Frau, die sich in jenen Schreckensjahren des nationalsozialistischen Regimes dem Druck zur Scheidung nicht beugte und so ihren Ehemann rettete. Eine Einleitung zu ihrer Biographie und zu den Kontexten und Funktionen ihres Tagebuchschreibens sowie ein umfangreiches Register erganzen die Edition.