Carl Vett (1871-1956) lebte vor etwa sieben Jahren in Konstantinopel, wo er 1925 als erster Nichtmuslim die Erlaubnis erhielt, in einem Tekké der Naqshbandi-Derwische als Ordensbruder zu leben. Sein Interesse galt den ekstatischen Zuständen der Derwische und den Initiationsriten, da die Geheimorden des Islams als Initiationsschulen fungieren. Während seines Aufenthalts führte er ein Tagebuch, das ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Angesichts der tragischen Ereignisse in der Türkei, insbesondere der Vollstreckung von Todesurteilen im Februar 1931, darunter gegen Mitglieder des Ordens, entschloss er sich zur Veröffentlichung seiner Erfahrungen. Die Schilderungen stammen aus einer Zeit, als die Sufiordensmitglieder bedeutende Persönlichkeiten in der Türkei waren, und ihre Praktiken von hohen Beamten, Universitätslehrern und reichen Kaufleuten unterstützt wurden. Diese Traditionen sind heute verschwunden; alle Tekkés sind geschlossen, und die Orden wurden aufgehoben. Die moderne Türkei betrachtet diese Aspekte als Relikte des "Aberglaubens". Vett reflektiert über den Verlust einer Quelle des Wissens und der Inspiration, die auch die christliche Kultur bereichert hat. In dankbarer Erinnerung an den zum Tode verurteilten Scheich Essad Effendi und seinen Sohn Mehmet Ali Effendi, die beide in Menemen hingerichtet wurden, verfasste er dieses Buch.
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