Umstrittene Taufe
Kontroversen im Kontext von Theologie, Philosophie und Politik (1750-1800)
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Thea Sumalvico untersucht in ihrer Studie die Taufdebatten des späten 18. Jahrhunderts, die in Streitschriften, Dogmatiken, Lexika und Zeitschriften dokumentiert sind. Diese Debatten bieten Einblicke in zentrale philosophische und theologische Streitpunkte der Zeit, insbesondere zur Wirksamkeit der Taufe: Ist sie ein Gnadenmittel oder ein Initiationsritus in die kirchliche Gemeinschaft? Veränderungen in der Rechtfertigungs- und Erbsündenlehre führten oft zur Infragestellung der Heilsrelevanz der Taufe. Die strikte Trennung zwischen Geist- und Körperwelt, beeinflusst von der Leibniz-Wolffschen Philosophie, machte unmittelbare Wirkungen Gottes zunehmend fragwürdig. Dies betraf auch die Wirkungen von Teufel und Dämonen, was zu intensiven Diskussionen über den Taufexorzismus führte. Die Taufe wurde häufig umgedeutet, was jedoch nicht zwangsläufig eine Abwertung bedeutete; als Eintritt in die Kirche erhielt sie große Bedeutung. Dies war eng mit politischen Fragen verbunden, da die Taufe oft auch die Zusage bürgerlicher Rechte implizierte, was besonders in Debatten um Judenkonversion und -emanzipation sichtbar wird. Eine kohärente, aufklärerische Tauftheologie lässt sich jedoch nicht feststellen; die Bedeutung der Taufe bleibt umstritten und wird weiterhin diskutiert.
