Nicht Fisch, nicht Vogel
Neun Schriftsteller und Schriftstellerinnen predigen
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Neun Schriftsteller und Schriftstellerinnen predigen
Témoignage Direct de la Catastrophe de Sandoz à Bâle
Wie in der "Parabel" steht auch in "Echnaton" Claudio Reich im Mittelpunkt des Geschehens. Nachdem er die Wahrheit über seine Herkunft erfahren hat und erst dadurch die abgründige Tiefe seiner Schuld ermessen kann, fährt er auf Einladung eines Jugendfreundes, der in der Zwischenzeit unermesslich reich geworden ist, nach Südafrika. Vor seiner Reise hatte er sich, nach dem Zerwürfnis mit seiner Freundin, in die Stille eines Klosters zurückgezogen, wo er vergeblich versucht hatte, die Bhagavadgita, den Gesang des Erhabenen, zu vertonen: es blieben nur Notizen auf Notizpapier. In Umhlanga Rocks, am Indischen Ozean, beschließt Claudio, die Chronik, die ihm anlässlich der Eröffnung über seine Herkunft als Erbe überreicht und die von einem Urahnen einst begonnen wurde, alchemistisch umzuwandeln, sich in frühere Zeiten zurückzuversetzen, um zu seiner eigentlichen Quelle zu gelangen. Gleichzeitig mit der Weiterführung der Chronik, dem Gefäß der Summe von Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart, beginnt er mit der Niederschrift der gegenwärtigen Ereignisse. Seine Reise ins innere Selbst führt durch die Jahrhunderte, letztlich aber immer wieder seinem verlorenen Freund entgegen. Er folgt seinen Spuren von den Quellen des Nils zum Delta nach Kairo und unternimmt die gleiche Reise, die sein Freund Jahre zuvor in umgekehrter Richtung gemacht hat. Aus der Erkenntnis, dass unsere gegenwärtige Existenz vor- und mitbestimmt ist von urzeitlichen Mythen und Gesetzmäßigkeiten, die sich wiederholen, schafft Bachmann ein neues Epos. Alles soll nochmals entstehen, was die Kosmologie zum Mythos, der Mythos zur Geschichte und die Geschichte zur Sage werden ließ. Der Romanheld stilisiert sich selbst zur Legende als einzige Möglichkeit, seine Schuld zu verkraften und weiterzuleben. Claudio Reich hält dem Echnaton-Stoff und der Ödipus-Sage seine eigene Geschichte entgegen, indem er die Chronik weiterführt, nicht mehr in der einengenden Form von Heften, sondern auf märchenhaften 1001 Blättern.
In „Sommerweide“ schildert Guido Bachmann das Leben von Matthias Sichelmann, der unter dem Verdacht steht, seine Mutter ermordet zu haben. Er ist seit knapp einem Jahr Insasse der psychiatrischen Klinik Sommerweide. Diagnose: schizophrene Psychose, bedingt durch Alkoholmissbrauch. Im Gespräch mit der Therapeutin entfaltet sich nach und nach die Geschichte des Sohnes aus wohlhabendem Elternhaus. AUTOR: Guido Bachmann, geboren 1940 in Luzern. Studium der Musikgeschichte und der Theaterwissenschaft in Bern. Lebt als Schriftsteller und Schauspieler in St. Gallen. Sein literarisches Werk, für das er mehrfach ausgezeichnet wurde, umfasst mehrere Romane und Novellen, die alle im Lenos Verlag erschienen sind, darunter „Gilgamesch“, „Der Basilisk“, „Dionysos“ und „Die Wirklichkeitsmaschine“. Zuletzt publizierte er die beiden autobiographischen Werke „lebenslänglich“ und „bedingt entlassen“.
Die in diesem Band versammelten fünf Kriminalnovellen tragen unverkennbar Guido Bachmanns Handschrift und sind seinen grossen Themen gewidmet: Liebe Freundschaft, Tod. Sie bezeugen sein Erzähltalent, seine formale und stilistische Sicherheit und sein subtiles Einfühlungsvermögen in die Psyche seiner Protagonisten. Die Kriminalnovellen sind keine Kriminalstories im üblichen Sinn, die Figuren und ihre Geschichten sind für den Autor vielmehr Anlass, existentielle Möglichkeiten bis zur letzten tragischen Konsequenz durchzuspielen.
Robert Schilos Welt - so seine Überzeugung - ist am Untergehen: die Welt der Bücher. Der 52-jährige obsessive Leser, Bibliomane, erfolgreiche Antiquar, Besitzer einer immensen und wertvollen Sammlung mit 144 Kostbarkeiten, zweifelt am Sinn seines Tuns. Seit Nachschlagewerke und Bücher elektronisch gespeichert werden, scheint ihm, der über ein phänomenales Gedächtnis verfügt und nie einen Computer benutzt hat, sein Leben sinnlos. Einzig die Arbeit an seiner Biografie der Langeweile setzt er fort. Zuweilen im Antiquariat, in den sogenannten Räumen, aus denen er die Kunden mit dem Megaphon vertreibt, zuweilen oder vielmehr zugleich im Nirgendheim - im Schloss seines Freundes Kilian, eines Computer- und Cyberspace-Spezialisten, der seit dreissig Jahren an seiner Wirklichkeitsmaschine arbeitet. Eines Tages, nach einem Ausflug zu den Wandteppichen der Apokalypse, steigt Robert in den Keller des Schlosses, wo Kilian hin und wieder holographische Aufnahmen macht, und stolpert in der vollkommenen Dunkelheit über sich selbst. In seinem neuen Werk hat sich Guido Bachmann abermaks mit einem Mythos beschäftigt: Der Roman nimmt Motive auf, die auf die 22 Kapitel der Apokalypse zurückgehen.
'Ich bin kein Schweizer.' Mit diesem Satz beginnt Guido Bachmann seinen autobiographischen Bericht, der ein Heranwachsen in der Schweiz von 1940 bis 1959 dokumentiert. Der Sohn eines Schweizer Vaters und einer italienischen Mutter beleuchtet in diesem schnörkellosen Protokoll einer Jugend die Kehrseite der kriegsverschonten Schweiz. Mit lebenslänglich gibt der Autor nebst dem Einblick in seine persönliche Geschichte und einer bitteren, aber nie verbitterten Zeitkritik auch einen Schlüssel zum präziseren Verständnis seines bisherigen Werks.