Zu den Sachen selbst: Wissenschaftliche Arbeitsmaterialien für phänomenologische Erkenntnisprozesse
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Der vorliegende Band zur Wissenschafts-Reihe versteht sich als Beitrag zur partizipativen Demokratieforschung. Mit dem Verfahren der phänomenologischen Praxisentwicklungsforschung wurden die singulären Bewusstheiten von Studierenden am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Bielefeld in Hinblick auf die Vielfalt von Geschlechterkonstruktionen und Lebensformen untersucht. Die praktische Umsetzung erfolgte in Seminaren im Dialoggruppen-Format. Dabei ging das Forschungsteam davon aus, dass Pluralität eine zwischenmenschliche Tatsache ist, die nur übersehen wird.
Gender Mainstreaming wurde als EU-Richtlinie von allen Mitgliedsstaaten verbindlich erklärt und vom Bundeskabinett 1999 als strukturelles Leitprinzip anerkannt. Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei gesellschaftlichen Vorhaben zu berücksichtigen, um ein gerechtes Miteinander der Geschlechter zu fördern. Um grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft zu erreichen, müssen bereits bei den Kleinsten, also in der Frühpädagogik, entsprechende Strukturen vermittelt werden. Tanja Dräger bietet einen Überblick über die politische Strategie des Gender Mainstreaming und wendet diese auf die Arbeit im Kindergarten an. Sie beleuchtet zentrale Fragen wie die Bedeutung von Gender Mainstreaming, die Umsetzung einer geschlechtergerechten Pädagogik und die bisherigen Erfahrungen von Erzieherinnen und Erziehern. Zudem werden konkrete Handlungsmöglichkeiten für Akteure vorgestellt, um geschlechtergerechte Interaktionen zu fördern. Dräger thematisiert auch die Chancen, die sich durch die Entwicklung von Kindergärten zu Familienzentren ergeben. Sie zeigt praxisnahe Ansätze zur Integration von Gender Mainstreaming in den Kindergartenalltag auf.
Eine Studie zu Martin Bubers Ich und Du (Dialogisches Lernen)
Cornelia Muth lädt mit ihrer Lese- und Verstehenshilfe zum Dialog mit Martin Bubers bekanntestem Werk ein. Anhand eines alten Schlagers von Daliah Lavi führt sie die Leser in die Gedanken des jüdischen Philosophen ein. Buber entwickelte mit seinem Werk eine Realutopie zwischenmenschlicher Beziehungen, die auch nach über 80 Jahren relevant bleibt. Angesichts der Folgen des Ersten Weltkriegs stellte er die Frage, wie Frieden unter den Völkern möglich ist, wenn dieser mehr ist als die Abwesenheit von Krieg. In seinem Werk zeigt er, dass wertschätzende Beziehungen nicht nur zwischen zwei Menschen bestehen können, sondern dass die Zweierbeziehung der Keim für Weltfrieden ist: „Erst wenn der Mensch in sich selber den Frieden gefunden hat, kann er daran gehen, ihn in der ganzen Welt zu suchen“. Buber betont, dass das Finden des Selbst nur in der Begegnung mit einem Gegenüber geschieht. Der Mensch benötigt seine Mitmenschen, um inneren Frieden zu erreichen. Das Werk bietet eine Haltung, die die Realutopie zwischenmenschlicher Beziehungen ermöglicht und als eine der zentralen Herausforderungen für das Überleben der Menschheit gilt. Muth hat exemplarische Texte ausgewählt und verständlich interpretiert. Ein Glossar mit wichtigen Dialog-Begriffen ergänzt die außergewöhnliche Leseanleitung.